Fast ein Viertel der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer raucht, und ein Grossteil von ihnen möchte aufhören. Die ärztliche Beratung in der Raucherentwöhnung ist effizient und eine zusätzliche pharmakologische Unterstützung verdoppelt zudem die Chancen eines Langzeiterfolges. Den Ärztinnen und Ärzten kommt in der Raucherentwöhnung also eine Schlüsselrolle zu. Umso wichtiger ist es, dass sie jederzeit über die nötigen Kenntnissen und Kompetenzen verfügen.

Das Projekt „Frei von Tabak - ärztliche Beratung zum Rauchstopp“ hat zum Ziel, die Qualität und Häufigkeit der Rauchstoppberatung zu fördern und so die Anzahl der erfolgreichen Rauchstopps in der Schweiz zu erhöhen. Die Reduktion der tabakbedingten Morbidität und Mortalität ist die bei weitem wichtigste Massnahme im Bereich der vermeidbaren Risiken.

Dieses Projekt bietet in der ganzen Schweiz ein Fortbildungsprogramm zur ärztlichen Rauchstoppberatung an.

 

Ziele

Eine kompetente Tabakentwöhnung umfasst ebenso kommunikative wie auch medizinische Komponenten.

Dazu befähigen die Fortbildungsveranstaltungen. Das Seminar "Frei von Tabak" ist auf 10 bis 20 TeilnehmerInnen ausgelegt und bietet zwei Module: ein Kurs von 1,5 Stunden (Sensibilisierungsmodul) führt in die Raucherentwöhnung ein und in einem 4-stündigen Kurs (Ausbildungsmodul) werden die praktischen Kompetenzen der Teilnehmenden vertiefend geschult. Es handelt sich um einen interaktiven Workshop mit einem gemischten Angebot aus aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Fachliteratur, klinischen Fällen und Rollenspielen. Die Teilnehmer sollen damit befähigt sein, folgende Ziele zu erreichen:

  • Alle rauchenden PatientInnen identifizieren und den Grad ihrer Abhängigkeit bestimmen
  • Klar zum Rauchstopp raten
  • Die RaucherInnen mittels einer individuellen Strategie beraten und allenfalls eine geeignete Pharmakotherapie verschreiben
  • RaucherInnen und Ex-RaucherInnen nachbetreuen
  • Die Raucherentwöhnung in die medizinische Praxis aufnehmen

Eine randomisierte kontrollierte Studie hat die Wirksamkeit dieser Ausbildungsform aufgezeigt, die sowohl die Kompetenzen der Ärzteschaft zu steigern vermag wie auch die Anzahl der erfolgreichen Rauchstopps (nach 1 Jahr): (Cornuz J, Humair JP, Seematter L, Stoianov R, van Melle G, Stalder H, Pecoud A. Efficacy of resident training in smoking cessation: A randomized, controlled trial of a program based on application of behavioral theory and practice with standardized patients. Ann Intern Med. 2002;136:429-437).

Ausführlicher beschrieben findet sich diese Fortbildung in folgendem Artikel: Humair JP, Cornuz J. A new curriculum using active learning methods and standardized patients to train residents in smoking cessation. J Gen Intern Med 2003,18:1023-1027.

 

Zielgruppen

Hauptzielgruppe sind die 10'000 Schweizer Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen der eigentlichen Grundversorgung, den Bereichen Pädiatrie, Gynäkologie und Pneumologie sowie ca. 1000 nicht niedergelassene Ärzte dieser Bereiche.

Kurse

50 ärztliche ModeratorInnen und MultiplikatorInnen aus verschiedenen Regionen der Schweiz wurden im Herbst 2002, im April 2005 und im 2011 darin geschult, das Programm "Frei von Tabak" unter ihren KollegInnen zu verbreiten.

Die ausgebildeten Ärzte und Ärztinnen organisieren ihre Fortbildungsseminare selbst. Sie können sie wahlweise in verschiedenen Umfeldern anbieten: Qualitätszirkeln, Spitälern, Kongressen, Symposien usw. Sie erhalten logistische Unterstützung durch die Abteilung Public Health der FMH.

Seit 2002 haben diese Multiplikatoren 500 Anlässe durchgeführt. Mehr als 9'000 Ärzte und Ärztinnen in Ausbildung oder Fortbildung haben (zum Teil wiederholt) an diesen Kursen teilgenommen.

Das Projekt wird seit dem 1. Januar 2019 von der Abteilung Public Health der FMH koordiniert.

 

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